Wenn Psychologie, Pädagogik und Sensorik aufeinandertreffen: Wie wir die Sprache des Honigs neu verstehen

Weinliebhaber philosophieren stundenlang über das Bukett eines Jahrgangs. Käsekenner beschreiben detailreich Reifegrade und Rindennoten. Doch beim Honig – einem Naturprodukt mit hunderten komplexen Aromastoffen – bleibt es im Alltag meist bei der schlichten Aussage: „Schmeckt süß und regional.“

Dass echter, heimischer Honig weit mehr zu erzählen hat, zeigte sich eindrucksvoll am 29. August 2026 beim Fest „Süße Künste – Honigglanz im Schloss“ im Barockschloss Oberlichtenau. Im Rahmen der Veranstaltung lud ein interdisziplinäres Referententeam zu zwei praxisnahen Workshops zur Einführung in die Honigsensorik ein.

Ein neuartiger Ansatz: Das Zusammenspiel dreier Disziplinen

Auf Einladung des gastgebenden Imkervereins Oberlichtenau e.V. führten drei Referenten die Teilnehmer durch eine facettenreiche Verkostungsreise: Dr. Steffen Wartzke von der Honigakademie, Yvonne Hickmann (Pädagogin, derzeit in Ausbildung zur Honigsensorikerin) und René Hickmann (AKTIVA-Trainer für psychosoziales Training).

Wie anspruchsvoll und präzise die sensorische Beurteilung von Honig ist, hatte bereits die vorausgegangene Juryarbeit zum 2. Honigaward Sachsen 2026 bewiesen, die unter anderem von einem Kamerateam von Pirna TV redaktionell begleitet wurde. Im Workshop ging es nun darum, genau dieses Wissen praxisnah weiterzugeben:

Psychologie (Das ABCDE-Modell): Wahrnehmung ist trainierbar. Nach dem Sinnesreiz (A = Probieren) folgt fast reflexartig eine Bewertung (B = „süß“) und das Urteil (C = „schmeckt“). Echte Sensorik beginnt erst bei Schritt D: dem bewussten Hinterfragen gewohnter Muster. Erst dadurch entstehen neue Gedanken (E) – und plötzlich werden die kühle Frische der Sommerlinde, florale Noten der Frühtracht oder die herben Malztöne des Waldhonigs differenziert schmeckbar.

Pädagogik (Der unvoreingenommene Blick): Kinder beschreiben Sinneseindrücke direkt, unverfälscht und frei von vorgefertigten Schablonen. Die Pädagogik hilft Erwachsenen dabei, emotionale Filter abzulegen und Honig wieder mit natürlicher Neugier wahrzunehmen.

Sensorik (Präzise Fachsprache): Was intuitiv wahrgenommen wird, übersetzt die Sensorik in ein klares Vokabular für Farbe, Konsistenz, Duft und Aroma.

Wertschätzung durch Storytelling: Mehr als nur ein 6-Euro-Glas

„Kunden kaufen keine Produkte, sie kaufen Geschichten.“

Wenn Imkerinnen und Imker lernen, vertraute Geschmacksmuster zu hinterfragen, die Vielfalt der Trachten mit offenen Sinnen wahrzunehmen und das Geschmacksprofil sprachlich auf den Punkt zu bringen, verändert sich der Wert des Produkts im Bewusstsein der Kunden grundlegend. Wer die Sprache des Honigs beherrscht und vermittelt, muss sich am Ende nicht mehr rechtfertigen, warum handwerklich erzeugter, heimischer Honig seinen fairen Preis verdient und weit mehr wert ist als ein anonymes Glas aus dem Discounterregal.

Infomaterial & Pressekontakt

Thema: Honigsensorik, Wertschöpfung & Qualitätssicherung in Sachsen
Referenten / Fachkontakt: Dr. Steffen Wartzke (Honigakademie), Yvonne Hickmann, René Hickmann

Kontakt: rene.hickmann@outlook.com

Medienhinweis: Bildmaterial von der Sensorik-Verkostung sowie Informationen zur Jury-Arbeit (inkl. Hinweis zum TV-Beitrag von Pirna TV) stellen wir Redaktionen auf Anfrage gerne zur Verfügung.