Mehr als ein Pokal: Warum wir beim Honigaward die Seele unseres Handwerks ehren

Oberlichtenau. Im festlichen Ambiente des Barockschlosses Oberlichtenau fand die feierliche Preisverleihung des 2. Honigawards Sachsen statt. Der Wettbewerb, der 2024 mit 24 Teilnehmenden ins Leben gerufen wurde, verzeichnete in diesem Jahr mit 31 engagierten Imkerinnen und Imkern ein deutliches Plus – und setzte zugleich neue Maßstäbe für heimische Honigkultur.

Höhepunkt des Nachmittags war neben der Ehrung der Sieger die offizielle Vorstellung des neuen Siegels „Sächsisches Honig-Prädikat“. Die Auszeichnung honoriert kompromisslose sensorische Qualität, handwerkliche Hingabe und eine nachvollziehbare regionale Herkunft.

In einer bewegenden Rede erinnerten René und Yvonne Hickmann an die tiefen historischen Wurzeln des traditionsreichen Handwerks: „Wir feiern kein einfaches Produkt. Wir feiern den unsichtbaren Faden, der Zeit, Natur und menschliche Hingabe miteinander verbindet“, hieß es vor den versammelten Gästen. Honig sei die konzentrierte Erinnerung an Sachsens Wiesen und Landschaften – und die heutige Imkerschaft das Bindeglied einer uralten Kette, die von den slawischen Baumhütern bis an die modernen Stände der heutigen Freizeitimker reiche.

Die bewegende Festrede von René Hickmann im Wortlaut

Die Laudatio von René  Yvonne Hickmann zur Verleihung des 2. Honigawards Sachsen

„Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Imkerkolleginnen und Imkerkollegen, liebe Gäste!

Wenn wir heute hier im Barockschloss Oberlichtenau zusammenkommen, um beim 2. Honigaward Sachsen die besten Honige unseres Freistaates auszuzeichnen, dann blicken wir auf etwas, das viel älter ist als wir selbst. Wir feiern kein einfaches Produkt. Wir feiern den unsichtbaren Faden, der Zeit, Natur und menschliche Hingabe miteinander verbindet.

Was ist eigentlich ein Tropfen Honig? Er ist flüssig gewordenes Sonnenlicht. Er ist die konzentrierte Erinnerung an eine Sommerwiese, an das Blühen und Vergehen, eingefangen in reiner, vollkommener Form.

Wenn wir uns der Imkerei nähern, glauben viele, sie beginne an den modernen Bienenständen im Garten oder in den Protokollbüchern von Vereinen. Doch das ist nur die Oberfläche. Das Handwerk, das wir ausüben, ist eine uralte Vereinbarung zwischen Mensch und Natur.

Schließen Sie kurz die Augen und stellen Sie sich jenen Raum vor, in dem alles begann: Eine Welt ohne Zäune, ohne Maschinen, nur das tiefe Rauschen der Urwälder. Dort, hoch oben in den schwindelnden Höhen der Baumkronen, lagen die Ursprünge unseres Tuns. Die alten Baumhüter – im slawischen Raum einst die Bortniki genannt – begriffen etwas, das wir heute manchmal zu vergessen drohen: Der Wald schenkt, die Biene erschafft, und wir sind lediglich die Bewahrer. Ihr ungeschriebenes Gesetz war ein Pakt, der bis heute in jedem von uns nachhallt: ‚Was uns die Natur schenkt, bleibt ein Geschenk. Wer mehr nimmt, als die Biene entbehren kann, raubt sich selbst die Zukunft.‘

Diese ersten Hüter hinterließen keine Denkmäler aus Stein, sondern das goldene Band, das sich durch die Jahrhunderte zieht.

Von den wilden Baumwipfeln über die klösterlichen Wachsziehereien bis hin zu den heutigen Völkern in unseren Gärten, an den Rapsfeldern und Hanglagen Sachsens: Wir alle stehen in derselben ununterbrochenen Kette. Wir erfinden dieses Handwerk nicht neu – wir bewahren es. Wir sind die Hüter der Gegenwart für eine Tradition, die älter ist als jede Schrift.

Und genau aus diesem tiefen Gefühl der Verantwortung heraus haben wir im Jahr 2024 ein starkes Zeichen gesetzt und dieses Projekt ins Leben gerufen. Was damals beim Start des Honigawards im Jahr 2024 mit 24 Teilnehmern begann, ist heute – im Jahr 2026 – auf 31 Imkerinnen und Imker angewachsen, die diesen gemeinsamen Weg der Qualität gehen.

Aus dieser Haltung heraus erstrahlt heute das Siegel „Sächsisches Honig-Prädikat“.

Dieses Siegel ist mehr als eine Auszeichnung. Es ist der verlässliche Maßstab für unsere Handwerkskunst. Es beweist, dass der Geist der alten Baumhüter in unseren Gläsern weiterlebt: kompromisslos in der Qualität, streng geprüft im sensorischen Sachverstand, charakterstark, unverfälscht in seiner Herkunft und von absolut echtem Ursprung.

Meine Damen und Herren, heute schließt sich der Kreis. Die Natur und unsere Bienen haben uns ihren reichsten Lohn geschenkt. Und wir als Imkergemeinschaft geben diesem kostvollen Werk heute die Bühne und die Anerkennung, die es verdient.

Lassen Sie uns nun jene auszeichnen, die diesen Anspruch mit Leben füllen. Ich freue mich, Ihnen auf der Leinwand die Gewinner des 2. Honigawards Sachsen und die ersten stolzen Träger des Sächsischen Honig-Prädikats zu präsentieren!

Herzlichen Glückwunsch an alle Teilnehmer – und ein langes Leben der sächsischen Imkerkunst!“

Hinweis für Redaktionen:

Die vollständige Liste der diesjährigen Preisträger und Bezugsquellen des prämierten Honigs finden Sie unter: [AWARDGEWINNER]